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fandom24 / prompt#6

Titel: Stunden
Autor: callisto24
Fandom: 24
Charaktere: Jack
Genre: Drama
Word Count:837
Rating: PG-13


Jack atmete tief ein, hielt einen Moment die Luft an, und ließ sie dann langsam wieder entweichen. Immer noch spürte er das Adrenalin in seinem Körper, auch wenn die Anspannung langsam begann nachzulassen. Den Augenblick, in dem er sich beruhigt haben würde, sein Atem wieder gleichmäßig fließen und sein Verstand imstande sein würde die Geschehnisse des vergangenen Tages zu verarbeiten, fürchtete er am meisten.
Er kannte dieses Gefühl zu gut. Hatte es bereits zu oft erlebt.
Sobald die Müdigkeit einsetzte, sein Körper nach Entspannung zu schreien begann, tauchten all die mühsam verdrängten Gefühle auf, für die er sich im Strudel der Ereignisse keine Zeit nehmen konnte oder wollte. Die Bilder holten ihn mit einer Macht ein, die ihn zu einem wehrlosen Opfer seiner Vorstellungskraft werden ließ.
Menschen, die er verloren hatte, Menschen, die durch seine Schuld den Tod gefunden hatten, Menschen, die er selbst getötet hatte, sie alle sahen ihn an, ließen sich nie mehr verjagen, verwandelten ihn Schritt für Schritt in ein gefühlloses Monster, je länger er es ertrug mit ihnen zu leben.
Nach Terís Tod war er zusammengebrochen, monatelang unfähig den Schmerz zu ertragen. Zurück im Dienst hatte er funktioniert, war sich nicht bewusst gewesen wie stark sich sein Inneres verhärtet hatte, bis er spürte, dass es nicht mehr weiterging. Und dann waren es die Drogen, die ihm geholfen hatten weiterzumachen, vor allem nach der schrecklichen Zeit in Mexiko!
Er schloss die Augen und versuchte das Unausweichliche noch einen Moment heraus zu zögern.
Paul`s Gesicht blitzte vor ihm auf, Audrey`s anklagende Augen, doch es gab noch so viel mehr in seiner Seele Verschüttetes. Dinge an die zu erinnern, er sich verboten hatte aus Angst dem Gefühl von Schuld und Scham noch einmal zu erliegen. Sie hatte funktioniert, seine Selbstkontrolle war der Schutzwall, hinter dem sich seine Albträume verbargen, Albträume, die er gehofft hatte, eines Tages los sein zu können.
Claudia - auch sie hatte er geliebt, verzweifelt, in selbstmörderischer Absicht, doch er hatte sie geliebt. Auch die Schuld für ihren Tod musste er tragen und es war offensichtlich, dass er weit davon entfernt war sich damit abzufinden. Zu schnell war zu viel passiert! Der Tod so vieler Menschen, die Gefahr, die Erleichterung Kim nicht verloren zu haben. Und dann der Entzug, der Umzug, die Arbeit, genügend Probleme, die jeden Tag von Neuem wieder zu lösen waren und, sofern er es verhindern konnte, auch keine Zeit ließen für die Vergangenheit.
Wozu auch, er hatte abgeschlossen, hatte akzeptiert was und wie er war, und versucht nach vorne zu gehen.
Bis vor noch nicht einmal 30 Stunden war er ruhig gewesen.
Audrey`s Schreie, Marwańs Blick als er stürzte, Paul, der sich vor ihn geworfen hatte, die Albträume würden wieder kommen. Und diese war er noch nicht gewohnt.
Schmerzerfüllt riss Jack seine Augen wieder auf. Es konnte nicht mehr lange dauern, die Blicke, die Schreie, sie wurden stärker und lauter, sie verdrängten das Wenige, das er in seinem erschöpften Zustand noch von der Realität wahrnahm.
Es war heiß, die Sonne glühte vom Himmel und schien die Wüste noch mehr auszutrocknen. Seine Zunge fühlte sich trocken an, wie Sandpapier, doch er widerstand dem Drang etwas zu trinken. Er wusste, dadurch würde es nicht besser werden. In der flimmernden Hitze vor ihm konnte er undeutlich die Umrisse des winzigen, beinahe unbekannten Ortes entdecken, der sein erstes Ziel werden sollte.
Sein erstes Ziel in einem neuen Leben.
Ein trockener Husten schüttelte ihn und er blieb einen Augenblick stehen. Noch vor wenigen Stunden hatte er sich frei gefühlt, es war als wäre ihm auf einmal eine schwere Last von den Schultern genommen, sein Leben! Er hatte es nicht mehr gewollte, mehr als einmal hatte er versucht ihm zu entrinnen, doch diesmal war es anders. Jack Bauer war tot, und so sehr es ihn auch schmerzte die Menschen, die ihm etwas bedeuteten, die sein Leben bestimmt hatten, zurückzulassen, das Bewusstsein der vollkommenen Freiheit war überwältigend gewesen.
Kein Gedanke an die Zukunft, kein Plan, nichts mehr, Jack gab es nicht mehr und würde es niemals wieder geben!
Der Sonnenaufgang mit seinen leuchtenden, verheißungsvollen Farben war ihm erschienen wie eine Götterdämmerung und das Blut, das durch seine Adern rauschte, sein Herz, das immer noch in seiner Brust hämmerte, hatten ihn vorwärtsgetrieben, einem neuen Schicksal entgegen.

Aber dieser Rausch war schnell verflogen, er hätte es wissen müssen, vor allem kann man davon laufen, nur nicht vor den eigenen Dämonen. Sie verfolgen einen immer und überall hin, egal wie sicher man sich ist, ihnen entkommen zu können.

Und nun hatten ihn seine Dämonen eingeholt. Seine Vergangenheit ergriff ihn und er spürte, dass ihn die Kraft verließ sich noch länger zur Wehr zu setzen. Wenn er die ersten Häuser erreicht haben würde, blieb ihm nichts anderes übrig, als sich irgendwo ein Zimmer zu suchen, die Tür hinter sich zu verriegeln, und die Albträume kommen zu lassen.

Irgendwann würden sie vorbei sein, und vielleicht bekäme er noch einmal die Chance sie tief in seiner Seele zu verschließen, so tief, dass er sie manchmal sogar vergessen könnte!
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