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fandom24/prompt#008

Titel: Wochen
Autor: callisto24
Fandom: 24
Charaktere: Jack, Tony
Genre: Drama
Thema: Jack nach Season4
Word Count: 1342
Rating: PG-13
Anmerkungen: gehört alles 24, kein Geld, etc. ....

Wasser trieb ruhig und stetig gegen das Ufer in einem gleichmäßigen, sich niemals verändernden Rhythmus. Das Rauschen der Wellen wirkte beruhigend, friedlich, beinahe hypnotisch. Jack konnte den Blick nicht vom Horizont wenden, versuchte die Grenze zu erkennen, die Meer von Himmel trennte. Es war unmöglich, alles verschwamm in der Ferne in dunstigen blaugrau schimmernden Tönen.
Jack ließ den feinen Sand durch seine Finger rieseln. Er hatte das Gefühl für Zeit verloren. Wie viele Wochen verbrachte er jetzt schon in diesem abgelegenen Teil Mexikos? Er hatte aufgehört die Tage zu zählen. Was für einen Zweck sollte es auch haben? Sie vergingen einer nach dem anderen, eintönig und einsam, so einsam wie er es in seinem ganzen, von Hektik, Anspannung und Schmerz angefüllten Leben, noch nie gespürt hatte.
Manchmal glaubte er sich in einem Traum zu befinden, aus dem er jeden Moment wieder aufwachen konnte um wieder umgeben zu sein von Schrecken, Blut und Gewalt, umgeben von der Welt wie er sie kannte.
“Lass los, Jack, sieh nach vorne....” versuchte er sich jedes Mal zu sagen, wenn die Erinnerungen oder die Vorstellungen von dem was geschehen könnte oder was geschehen würde als Folge seines Untertauchens, ihn zu überwältigen drohten.
Schon einmal, nach Terís Tod, war er in diesen Abgrund gestürzt, hatte sich von allem zurückgezogen. Aber damals waren noch Menschen, die ihm etwas beeuteten um ihn gewesen, Menschen, denen es schließlich gelungen war ihn wieder aus seiner Depression herauszuholen, ihm, zumindest eine weitere Chance zu geben. Auch als er mit seiner Drogensucht gekämpft hatte, er war doch niemals vollkommen allein gewesen. Er hatte geglaubt, genau das wäre damals sein Wunsch gewesen, doch nun wusste er es besser!
Er wusste auch, dass es bessere Orte für ihn gab als ausgerechnet dieser Teil von Mexiko, und dennoch konnte er sich nicht dazu bringen weiter zu ziehen. Unbewusst zuckte ein Lächeln über seine Gesichtszüge bei dem Gedanken, was der jeweils zuständige CTU-Psychologe zu seinem Verhalten sagen würde, er hatte das nicht nur einmal gehört. Sein Bestreben sich ständig in Gefahr, in die Unmöglichste aller Situationen zu begeben, war der sicherste Hinweis auf seine tief sitzende Tendenz zu Selbstzerstörung.
Zumindest diesen Sieg würde er eines Tages davon tragen, und je länger er sich mit dem Zeichen der Salazars in der Haut seines Unterarmes eingebrannt, sehen ließ, um so wahrscheinlicher wurde es, dass ihn jemand wiedererkennen würde.
Und genau das war der Grund, warum er blieb. Was sollte er noch auf dieser Welt, wenn er das Schicksal nicht mehr herausfordern konnte, egal wie kindisch und verantwortungslos dieses Verhalten sein würde.
Er seufzte und bemühte sich die Trägheit, die ihn in ihren Klauen hielt, abzuschütteln, und bei dem Vorsatz zu bleiben, den er schon seit Tagen in die Tat umsetzen wollte. Es war Zeit sich bei Tony zu melden. Sie hatten in dem Wirbel der Ereignisse seines letzten Tages als Jack Bauer sich das gegenseitige Versprechen abgenommen in losem Kontakt zu bleiben. Anderes wäre für ihn undenkbar gewesen, nach wie vor musste er sich vergewissern können, dass es Kim gut ging. Und Tony hatte darauf bestanden, für den Fall, dass sich irgendetwas Neues ergeben würde, wodurch sich die Situation grundlegend ändern könnte. Nur zu gern war er auf Tonýs Vorschlag eingegangen, gerade Tony war viel zu gut in seinem Job, als dass dabei irgendetwas an Außenstehende durchsickern könnte.
Nach dem Anruf müsste er aufbrechen und sich ein neues Versteck suchen. Anderes wäre nach so kurzer Zeit schiere Dummheit, davon abgesehen, dass er es niemals riskieren würde auch nur den leisesten Verdacht auf Tony zu lenken.
Die Schatten sanken langsam, der Wind wurde frischer, und Jack ertappte sich dabei wie er sehnsuchtsvoll an die Flasche Tequila dachte, die in seinem gemieteten Zimmer im Schrank stand, und die ihm auch in dieser Nacht wieder beim Einschlafen helfen würde.
Doch vorher würde er mit Tony sprechen.
Langsam schlenderte er in Richtung, des kleinen Fischerortes, der seine Zuflucht geworden war, und stoppte vor der einzigen Telefonzelle, die ein wenig versteckt neben einem verfallen wirkenden Gebäude, selbst so aussah, als wäre sie nur noch ein Relikt aus früheren Zeiten, das mit dem Boom des Mobilfunkes seinen Sinn und Zweck verloren hätte. Aber Jack war nur zu bewusst, dass für einen großen Teil der Menschheit, ob hier oder anderswo, die Tatsache überhaupt Zugang zu einem Telefon zu haben, einen Fortschritt bedeuteten musste.
Natürlich hatte er die Funktion getestet und bereits vor 24 Stunden an Tonýs Anschluss die verabredete Anzahl von Klingeltönen ertönen lassen. Er wusste, dass Tony seinerseits, sollte nicht etwas Unaufschiebbares dazwischen gekommen sein, an einer sicheren Leitung auf ihn warten würde!

“Ja?”
“Hallo!”
Eine kurze Pause entstand. Dann sprach Tony als Erster:
“Es ist gut deine Stimme zu hören!”
“Ja, deine auch!”
Wieder Schweigen. Jack hatte nicht geglaubt, dass es ihm so schwer fallen würde zu sprechen, und offensichtlich war es für Tony auch nicht einfacher!
“Ist alles in Ordnung?”
“Ja, und bei dir?”
“Auch!”
“Der Familie geht es gut?” fügte Jack etwas unsicher hinzu!
“Alles bestens. Kein Grund sich Sorgen zu machen!” Um ein Haar hätte Tony sich auf die Zunge gebissen. Dieser letzte Satz könnte im schlimmsten Fall als ein Hinweis aufgefasst werden. Und doch war es praktisch ausgeschlossen, dass jemand dieses Gespräch mitbekommen würde, nicht nach all den Vorsichtsmaßnahmen, die sie getroffen hatten. Trotzdem mussten sie sich daran erinnern vorsichtig zu bleiben.
Aber die Erleichterung, die er aus Jacḱs Stimme heraushörte, war das Risiko wert. Anscheinend war er wirklich beunruhigt gewesen.
“Und, was macht die Arbeit?”
“Alles beim Alten, das übliche Einerlei eben!”
Jack blieb eine Moment still. Also war Tony noch in engem Kontakt zur CTU, evtl. doch wieder dort beschäftigt. Er wunderte sich ein wenig, wollte aber nicht riskieren, dass sich ihre Unterhaltung zu sehr in die Länge zog.
“Ich muss wieder. Du weißt ja, die Frau und die Kinder lassen einem keine ruhige Minute! Aber wir hören wieder voneinander!”
“Sicher!” antwortete Tony mit so viel Wärme in seiner Stimme, dass Jack unwillkürlich schlucken musste.
“Pass auf dich auf, du weißt noch was der Arzt zu deinen Cholesterinwerten gesagt hat?”
“Mir geht es gut. Mach́s gut!”
“Ja, und du auch”, wollte Tony noch hinzufügen, aber in der Leitung hatte es schon geklickt. Zumindest wusste er jetzt, dass Jack okay war, und vermutlich noch viel wichtiger: Jack wusste auch, dass es Kim gut ging und konnte nach vorne blicken!
Er war also im Süden, dabei, sich weiter in diese Richtung zu bewegen, wie er soeben hatte durchblicken lassen, und offensichtlich gab es keine nennenswerten Schwierigkeiten.
Zumindest das war eine Erleichterung. Tony seufzte, und begann mit der Hand seinen Nacken zu massieren. Irgendetwas war an der ganzen Sache nicht richtig. Seine Intuition sagte ihm überdeutlich, dass irgendetwas grundlegend schief lief. Er kannte Jack lange genug, um im Ton seiner Stimme lesen zu können. Und doch konnte er nichts ändern. Zumindest jetzt noch nicht. Doch das musste nicht so bleiben. Er würde einen Weg finden, die Situation zu verbessern.
Ein Gedanke schoss ihm durch den Kopf, doch es gelang ihm diesen gleich wieder abzuschütteln. “Nein, Jack würde in jedem Fall einen Bogen um Mexiko machen. Ausgeschlossen, dass er sich freiwillig wieder in dieses Land begeben würde. Dafür saßen die Wunden zu tief.” Und doch wünschte Tony, er hätte mehr dafür getan, dass Jack sich diese Tätowierung, die ihn für alle Zeit an die Salazars zu ketten schien, endlich entfernen ließe. Jacḱs Blick hatte sich jedesmal bei diesem Thema verdunkelt, und letztlich hatte Tony es akzeptiert, dass irgendein selbstquälerischer Teil seiner Selbst ihn wohl dazu zwang sich diese Zeit immer wieder in Erinnerung zu rufen.
Tony stand auf. Es war Zeit nach Hause zu gehen, wo Michelle auf ihn warten würde. So schwer es ihm auch fiel, alles andere musste warten.

Jack blickte in die glänzende Flüssigkeit in der sich das matte Licht der Glühbirne spiegelte.
Die matte Erschöpfung, die ihn den Tag über gelähmt hatte, wich mit jedem weiteren Schluck dem Gefühl der tiefen Müdigkeit. Es würde nicht mehr lange dauern, und er würde nichts mehr denken, nichts mehr fühlen. Er würde einfach nicht mehr existieren, nicht einmal mehr für sich selbst.
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